Säule 3a vs 3b: Der vollständige Expat-Vergleich 2026

Hans Steiner

Hans Steiner

Finanzplaner IAF

Veröffentlicht

25. März 2026

Lesezeit

4 Min.

Säule 3a vs 3b: Der vollständige Expat-Vergleich 2026

Zusammenfassung: Säule 3a (gebundene Vorsorge) spart bis zu CHF 7'258 Steuerabzug pro Jahr, ist aber bis zur Pensionierung gesperrt. Säule 3b (freie Vorsorge) ist jederzeit verfügbar, bietet aber keine direkten Steuerabzüge. Für Expats gilt: Zuerst die 3a maximal ausschöpfen — dann die 3b als freies Investment nutzen. Die optimale Kombination hängt von Ihrer Aufenthaltsdauer und Ihren Lebenszielen ab.

Warum die dritte Säule für Expats unverzichtbar ist

Das Schweizer Dreisäulensystem sichert den Lebensstandard im Alter — aber nur wenn Sie aktiv handeln. AHV (1. Säule) und Pensionskasse BVG (2. Säule) ersetzen im Schnitt nur 60–70 % Ihres letzten Lohns. Die dritte Säule schliesst diese Lücke — und bietet Expats in der Schweiz gleichzeitig einen der attraktivsten Steuervorteile Europas.

Für einen Überblick über die gesamte Schweizer Vorsorge lesen Sie unseren Leitfaden zum Schweizer 3-Säulen-System für Expats sowie unsere Übersicht der besten Vorsorgelösungen für Ausländer 2026.

Was ist die Säule 3a? (Gebundene Vorsorge)

Die Säule 3a ist staatlich reglementiert und steuerlich stark privilegiert. Beiträge werden vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen — auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene. Das Geld ist gebunden und nur bei gesetzlich anerkannten Ereignissen zugänglich.

Maximale Beiträge 2026

KategorieMaximalbeitrag 2026Bedingung
Angestellte mit PensionskasseCHF 7'258Mitglied einer 2. Säule (BVG)
Selbstständige ohne PensionskasseCHF 36'288Max. 20 % des Nettoeinkommens

Steuerersparnis nach Kanton

Die Ersparnis bei vollständiger Einzahlung von CHF 7'258 variiert stark je nach Wohnkanton und Einkommen:

BruttoeinkommenZürichZugGenfWaadtBern
CHF 80'000ca. CHF 1'960ca. CHF 1'520ca. CHF 2'320ca. CHF 2'250ca. CHF 2'180
CHF 120'000ca. CHF 2'320ca. CHF 1'740ca. CHF 2'830ca. CHF 2'610ca. CHF 2'500
CHF 180'000ca. CHF 2'540ca. CHF 1'890ca. CHF 3'100ca. CHF 2'900ca. CHF 2'750

Wichtig für Quellenbesteuerte

Auch Expats mit Quellensteuer (Ausweis B, L, G) können die Säule 3a steuerlich abziehen. Bei Einkommen über CHF 120'000 oder auf Antrag erfolgt dies über das nachträgliche ordentliche Veranlagungsverfahren.

Anlageformen und Top-Anbieter

Zwei Grundoptionen stehen zur Wahl:

  • 3a-Sparkonto: Kapitalschutz, aber niedrige Rendite (aktuell ca. 0,75–1,25 % p.a.). Sinnvoll kurz vor der Pensionierung oder bei sehr kurzer Aufenthaltsdauer.
  • 3a-Wertschriftenlösung: ETF-Portfolios mit bis zu 99 % Aktienanteil. Bei einem Zeithorizont von 5+ Jahren klar vorzuziehen.
AnbieterTER (Gesamtkostenquote)Max. AktienanteilBesonderheit
VIAC0,00–0,44 %99 %Tiefste Gesamtkosten, kein Ausgabeaufschlag
finpension0,39 %99 %Starke ESG-Optionen
frankly (ZKB)0,44–0,53 %95 %ZKB als Partnerbank
Descartes0,50 %97 %Impact Investing, B Corp zertifiziert

Alle Details zu Anbietern, Kosten und dem Mehrkonten-Trick finden Sie auf unserer Säule-3a-Übersichtsseite.

Wann können Sie 3a-Gelder beziehen?

  • Endgültige Ausreise aus der Schweiz
  • Aufnahme selbstständiger Erwerbstätigkeit
  • Erwerb selbstbewohnten Wohneigentums (WEF-Vorbezug)
  • Einkauf in die Pensionskasse
  • Frühestens 5 Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter

Entscheidend für Expats

Bei Wegzug ausserhalb EU/EFTA können Sie alle 3a-Gelder sofort bar beziehen. Die Quellensteuer richtet sich nach dem Kanton des Anbieters — das macht die Kanton-Wahl strategisch wichtig.

Was ist die Säule 3b? (Freie Vorsorge)

Die Säule 3b umfasst alles ausserhalb der gebundenen Vorsorge: Sparkonten, ETF-Depots, Lebensversicherungen, Immobilien. Keine staatliche Reglementierung, keine Beitragslimiten, keine Sperrfristen.

Steuerliche Behandlung der Säule 3b

  • Einzahlungen: Nicht abziehbar (Ausnahme: bestimmte Lebensversicherungsformen in einzelnen Kantonen)
  • Vermögen: Steuerbares Vermögen — unterliegt der jährlichen Vermögenssteuer
  • Zinserträge und Dividenden: Steuerpflichtig als Einkommen
  • Kapitalgewinne auf Privatvermögen: In der Schweiz steuerfrei — entscheidender Vorteil für langfristige ETF-Investoren

Vorsorge optimieren

Welche Säule-3-Strategie passt zu Ihrer Situation?

Unsere Experten analysieren Ihre Aufenthaltsdauer, Ihr Einkommen und Ihre Ziele — und zeigen, wie Sie 3a und 3b optimal kombinieren.

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Säule 3a vs 3b: Der direkte Vergleich

MerkmalSäule 3a (gebunden)Säule 3b (frei)
BeitragslimitCHF 7'258 / CHF 36'288Unbegrenzt
Steuerabzug auf EinzahlungenJa — vollständig abziehbarNein
VermögenssteuerNein (freigestellt)Ja
Ertragssteuer (Zinsen/Dividenden)Nein (während Laufzeit)Ja
KapitalgewinneSteuerfreiSteuerfrei (Privatvermögen)
Besteuerung bei BezugKapitalleistungssteuer (reduziert)Keine
BezugszeitpunktNur bei gesetzlichen GründenJederzeit
FlexibilitätGeringHoch
PfändungsschutzJaNein
Kurzer Aufenthalt (<3 J.)Bedingt geeignetIdeal
Langer Aufenthalt (5+ J.)IdealAls Ergänzung ideal

Optimale Strategie nach Aufenthaltsdauer

Die Aufenthaltsdauer ist der wichtigste Faktor bei der Entscheidung zwischen 3a und 3b:

AufenthaltsdauerEmpfohlene StrategieBegründung
1–2 Jahre3a minimal (CHF 3'000–7'258) + 3b ETF-DepotNettosteuerersparnis trotzdem positiv; 3b für maximale Flexibilität
3–5 Jahre3a maximal + 3b ETF-DepotSteuerersparnis deutlich über der Kapitalleistungssteuer
5–10 Jahre3a maximal (mehrere Konten) + 3b langfristigZinseszinseffekt und Steuerstapelung lohnen sich deutlich
DauerhaftBis zu 5 getrennte 3a-Konten + diversifiziertes 3b-PortfolioGestaffelte Bezüge reduzieren Steuerprogression erheblich

Strategie: Mehrere 3a-Konten führen

Eine der wirksamsten Optimierungen für langfristige Expats: Eröffnen Sie mehrere 3a-Konten bei verschiedenen Anbietern und beziehen Sie diese in separaten Jahren. Da die Kapitalleistungssteuer progressiv ist, zahlen Sie bei fünf Bezügen à CHF 50'000 deutlich weniger als bei einem einzigen Bezug von CHF 250'000. Wer länger als 5 Jahre in der Schweiz bleibt, sollte diese Strategie von Beginn an verfolgen — nachträgliches Aufteilen bestehender Konten ist nicht möglich.

Was passiert mit Ihren Geldern bei Wegzug?

ZiellandSäule 3aSäule 3b
Nicht-EU/EFTA (z.B. USA, VAE)Sofortiger Barbezug möglich. Quellensteuer je nach Kanton (ca. 5–15 %).Keine Einschränkungen — Depots und Konten frei verfügbar.
EU/EFTA (z.B. Österreich, NL)Barbezug möglich. DBA-Regelung prüfen.Kapitalgewinne im Zielland möglicherweise steuerpflichtig.
DeutschlandBarbezug möglich. Achtung: DE besteuert nach DBA möglicherweise mit.Kapitalgewinne bei Wohnsitz in DE werden steuerpflichtig!

Profi-Tipp: Kanton-Wechsel vor Bezug

Übertragen Sie Ihre 3a-Gelder vor dem Wegzug zu einem Anbieter im Kanton Schwyz. Die Kapitalleistungssteuer beträgt dort nur ca. CHF 3'200 bei CHF 100'000 — gegenüber CHF 5'000–7'000 in Hochsteuerkantonen. Planen Sie den Transfer mindestens 6 Monate im Voraus.

Einen ausführlichen Steuervergleich finden Sie im Artikel Vorsorge Schweiz vs. Deutschland für Expats. Fragen zur Quellensteuer beantwortet unser Beitrag Quellensteuer vs. ordentliche Besteuerung.

Häufige Fehler von Expats bei der dritten Säule

  1. Nicht einzahlen wegen Unsicherheit: Selbst bei 2 Jahren Aufenthalt ist die Nettosteuerersparnis fast immer positiv.
  2. Nur ein einziges 3a-Konto: Mehrere Konten ermöglichen gestaffelten Bezug und reduzieren die Steuerprogression erheblich.
  3. Zu konservativ anlegen: Wer 10 Jahre Zeithorizont hat, verliert durch ein Sparkonto gegenüber einem 99-%-Aktienportfolio zehntausende Franken.
  4. Wegzug nicht frühzeitig planen: Der Kantonswechsel vor Bezug ist legal und spart bis zu CHF 3'000 Steuern pro Konto.
  5. Teure Bankprodukte nutzen: Klassische Banken verlangen 1–2 % TER; VIAC oder finpension kosten einen Bruchteil davon.
  6. 3b vernachlässigen: Die Steuerfreiheit von Kapitalgewinnen macht die Schweiz zu einem ausgezeichneten Standort für langfristiges ETF-Investieren.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich als Expat mit Ausweis B in die Säule 3a einzahlen?

Ja. Alle in der Schweiz erwerbstätigen und AHV-pflichtigen Personen können einzahlen — unabhängig von Nationalität oder Aufenthaltsbewilligung (B, C, G, L). Voraussetzung ist ein Erwerbseinkommen in der Schweiz.

Was passiert mit meiner Säule 3a bei Wegzug aus der Schweiz?

Bei Wegzug ausserhalb EU/EFTA können Sie die gesamten 3a-Gelder sofort als Kapital beziehen. Bei EU/EFTA-Wegzug ist dies ebenfalls möglich. Es fällt eine Quellensteuer nach Kanton des Anbieters an (ca. 5–15 %). Prüfen Sie das Doppelbesteuerungsabkommen mit Ihrem Zielland.

Lohnt sich die Säule 3a bei einem Aufenthalt von nur 1–2 Jahren?

In den meisten Fällen ja. Bei CHF 7'258 Einzahlung sparen Sie je nach Kanton und Einkommen CHF 1'500–3'000 Steuern pro Jahr. Die Kapitalleistungssteuer bei Bezug liegt meist unter 8 %. Die Nettoeinsparung ist damit fast immer positiv.

Wie viele 3a-Konten darf ich haben?

Es gibt keine gesetzliche Obergrenze. In der Praxis empfehlen sich bis zu fünf Konten bei verschiedenen Anbietern. So können Sie die Gelder in verschiedenen Jahren beziehen und die Steuerprogression deutlich senken. Jedes Konto muss separat geführt und separat bezogen werden.

Kann ich verpasste 3a-Einzahlungsjahre nachholen?

Nein. Nicht genutzte Beiträge verfallen. Einzahlungen müssen bis spätestens 31. Dezember des jeweiligen Jahres getätigt werden. Stand 2026 sind Nachzahlungen nicht möglich — im Gegensatz zu freiwilligen Pensionskassen-Einkäufen.

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Hans Steiner

Hans Steiner

Finanzplaner IAF

Experten-Autor bei Expat-Services.ch mit verifizierten Einblicken und praxisnahen Ratschlägen für die internationale Gemeinschaft in der Schweiz.

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